2009.08 Bettina Fischer
Professionelle Kadersuche oder «Kopfjäger» als Chance in der Wirtschaftskrise
bf/Ist die Arbeit der sogenannten «Kopfjäger» in der heutigen Zeit noch gerechtfertigt? Kopfjäger, besser bekannt unter dem Namen «Headhunter» oder «Executive Search Consultant», rekrutieren Führungspersönlichkeiten im top, oberen und mittleren Management. Die Executive Search Consultants sind spezialisiert auf die Direktansprache und die professionelle Platzierung von Kaderleuten und Spezialisten.
Die Wirtschaft- und Finanzkrise hat tiefe Spuren hinterlassen und tausende Arbeitsplätze wurden bereits gestrichen. Viele, auch gut qualifizierte Mitarbeiter finden sich unerwartet auf dem Arbeitsmarkt. Dies kann aber auch als Chance im gesamten Arbeitsumfeld gewertet werden. Verschiedene Branchen sind von der Krise nur am Rande betroffen. Die KMU (kleine und mittlere Unternehmen) bilden das Rückgrat der schweizerischen Wirtschaft und sind nach wie vor auf leistungsfähiges und flexibles Personal angewiesen.
Gerade für die KMU, die zum Beispiel ihre unternehmerische Nachfolge plant oder fähige Mitarbeiter sucht, bietet sich heute die Möglichkeit die Besten auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Doch hier beginnt die Suche nach der «Nadel im Heuhaufen». Wie finde ich die geeignete Person und welche Persönlichkeit passt am besten in den Betrieb? Hier fehlen oft die nötigen Ressourcen und das Know- how, wie man die geeigneten Mitarbeiter findet. NPO's und kleinere Verwaltungen kennen diese Problematik ebenfalls und tun sich jeweils schwer mit dem Besetzen von offenen Vakanzen auf Kaderstufe, vor allem auch dann, wenn sich intern keine Lösung bietet.
Welches sind nun die Gründe, dass ein externer Berater zum Einsatz kommt? Ein guter Headhunter hat entsprechende Markt- und Branchenkenntnisse und kann sein persönliches weitgespanntes Netzwerk effizient nutzen. Durch die Objektivität des Beraters und der Identifikation mit dem Unternehmen des Auftragsgebers kann das Risiko einer Fehlbesetzung minimiert werden und das neutrale Coaching schafft Vertrauen. Dank der Qualifikation und des Zusatzwissens des Beraters kann der Rekrutierungsprozess optimal gestaltet werden, was für das Unternehmen Zeit und Geld spart. Die Legitimation eines Executive Search Consultant ist somit gerade in der heutigen Zeit für Unternehmen, die eine nachhaltige Entwicklung anstreben, von enormer Wichtigkeit. Zudem profitiert das Unternehmen von der systematischen und professionellen Hilfe und der Diskretion des Beraters. Rund 80 % aller Führungspositionen werden durch Berater besetzt. Seriöse Beratung ist folglich gerade auch in der krisengeplagten Zeit für die Reputation eines Unternehmens oder einer Organisation von grosser Bedeutung.
Friedrich Häring, Inhaber der TOPKADER AG, mit langjähriger Erfahrung, rekrutiert und vermittelt Kadermitarbeiter und Spezialisten speziell für die KMU, Gemeinden und NON-Profit-Organisationen. Er nimmt zu den aktuellen Fragen Stellung.
Herr Häring welche Branchen, neben der Finanz-und Bankenbranche, leiden zurzeit am meisten unter der Krise?
Es sind dies sicher die Exportindustrie, die Autozulieferer und die Holzbranche, welche unter der Wirtschaftkrise leiden.
Wie schätzen Sie die Chancen der rund 300'000 Betriebe, der KMU's in der Schweiz, für die Zukunft ein?
Grundsätzlich positiv. Die KMU's in der Schweiz sind nahe am Markt, haben zudem wenig bürokratische Hürden und zeichnen sich meist durch eine hohe Flexibiliät aus. Ein kleiner Schwachpunkt ist die Suche nach geeigneten Nachfolgelösungen. Dies ist meist auch eine Frage des Kapitals.
TOPKADER AG vermittelt und rekrutiert Spezialisten, Fach- und Führungskräfte. Welche Vorteile hat ein Berater wie Sie gegenüber einer Firma oder Organisation, die ihre Mitarbeiter selber sucht?
Wir verfügen über die entsprechende Marktübersicht, haben ein breites Netzwerk und kennen die heutigen Anforderungen der verlangten Ausbilungsstandards. Auch stehen wir im engen Kontakt mit den Fachhochschulen in der Schweiz.
Bei NPO's, Verbänden und Organisationen haben gut qualifizierte Mitarbeiter immer einen höheren Stellenwert. Komplexere Einflüsse, politische Abläufe und globale Strukturen haben das reine „Verwalten" abgelöst. Worin bestehen die Herausforderungen dieses Wandels und welche Qualifikationen sind dafür nötig?
Zentral ist die persönliche Bereitschaft etwas leisten zu wollen und Ja zu sagen zu den neuen Herausforderungen. Die Konzentration der Kräfte einerseits sowie Fach-, Führungs- und Sozialkompetenz andererseits sind dabei Grundvoraussetzung. Ebenso die Methodik. Sicher müsste man in einzelnen Bereichen auch das Milizsystem überdenken.
Als ehemaliger Gemeinderat sind Sie mit den Verwaltungsabläufen auf kommunaler und kantonaler Ebene vertraut. Inwiefern stellen sich hier künftig die Anforderungen an die Mitarbeiter?
Sicher ist heute vermehrt unternehmerisches Denken gefragt und nicht nur das reine Verwalten. Dazu gehört auch die Wirkungsorientierte Verwaltungsführung (WoV). WoV ist die Bezeichnung für New Public Management (NPM) in der Schweiz. In zahlreichen Gemeinden, Kantonen und im Bund laufen zum Teil bereits seit 1996 Pilotversuche zur Führung der Verwaltung mit Globalbudget und Leistungsauftrag.
Auch die Industrie kämpft mit der Krise. Umsatzeinbussen, Kurzarbeit und Stellenabbau sind die Folgen. Wie werten Sie die momentane Krise in Bezug auf die Beschäftigung von Fachpersonen und Spezialisten?
Wir finden ausgetrocknete Teilmärkte bei den Spezialisten, wie z.B. bei Bauingenieuren oder Heizungstechnikern. Fachpersonen und Spezialisten sind nach wie vor gefragt. Es fehlt jedoch eine nationale Bildungsplanung, in welchen Bereichen und Branchen wir in den nächsten Jahren qualifiziertes Personal brauchen, welches in der Schweiz ausgebildet wurden.
Speziell auch die Holzbau-Industrie, in der Sie jahrelang tätig waren, leidet unter der Krise. Es wird weniger Holz benötigt und verarbeitet oder bringen gerade die Fortschritte im energetischen Bereich Chancen für die Zukunft?
Der Holzbranche sage ich eine gute Zukunft voraus. Holz wächst nach, ist ein Naturprodukt und kann einfach entsorgt werden. Gerade im energetischen Bereich bieten sich hier viele Vorteile, u.a. dass Holz wenig Energie braucht in der Herstellung und Energie abgibt bei der Entsorgung (Beispiel Schnitzelheizung). Hier liegt ein grosses Potenzial für die Zukunft. Holz ist langlebig und robust, bietet eine gute Wärmedämmung und eignet sich dadurch hervorragend als Baustoff.
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